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  1. Humanitäre Krisen

Krise im Jemen

Lage des Jemen
Lage des Jemen

Das Land

Jemen ist ein Staat in Westasien, im Süden der Arabischen Halbinsel. Die Hauptstadt des Landes ist Sanaa. Jemen teilt Landgrenzen mit Saudi-Arabien und Oman und Seegrenzen mit Eritrea, Dschibuti und Somalia. Der Jemen nimmt eine Fläche von 527.968 Quadratkilometern ein. Im Jahr 2026 hat das Land eine geschätzte Bevölkerung von etwa 41,8 Millionen Menschen.

Die humanitäre Lage

Seit Anfang September 2026 zwingen laufende Feindseligkeiten im Jemen die Menschen zur Flucht aus ihrer Heimat. Dabei gibt es Opfer unter der Zivilbevölkerung und die ohnehin schon stark belasteten humanitären Einsätze geraten zunehmend unter Druck. Diese militärische Eskalation erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem Hunger, Unterernährung und der Zusammenbruch der humanitären Finanzierung bereits Millionen Jemeniten in eine noch tiefere Krise gestürzt haben. 

Im Jahr 2026 benötigen 22,3 Millionen Menschen humanitäre Hilfe und Schutz, wobei die am stärksten gefährdeten und marginalisierten Gruppen – darunter Frauen und Mädchen – dem größten Risiko ausgesetzt sind.

Der seit mehr als zehn Jahren andauernde bewaffnete Konflikt im Jemen hat Zehntausende zivile Opfer gefordert und Millionen Menschen zur Flucht aus ihrer Heimat gezwungen, wodurch der Jemen zu einer der größten humanitären Krisen weltweit geworden ist. 

Während sich die internationale Aufmerksamkeit inzwischen auf andere globale Notlagen verlagert hat, bleibt der Jemen nach mehr als einem Jahrzehnt des Krieges eine der schwerwiegendsten und langwierigsten humanitären Krisen der Welt. Eine Kombination aus wirtschaftlichem Niedergang, klimatischen Schocks und regionaler Eskalation verschärft den humanitären Bedarf und erhöht die Schutzrisiken.

Der ungelöste Konflikt und klimabedingte Katastrophen haben bereits Millionen von Menschen aus ihrer Heimat vertrieben. Das Land ist mit einer der größten internen Vertreibungskrisen der Welt konfrontiert: Über 5 Millionen Menschen sind innerhalb des Landes Vertriebene. Darüber hinaus beherbergt der Jemen etwa 70.000 Flüchtlinge und Asylsuchende.

Zudem steht der Jemen an vorderster Front der globalen Klimakrise, da wiederkehrende Naturkatastrophen wie Überschwemmungen und schwere Dürren das Leben, die Sicherheit und das Wohlergehen der Menschen bedrohen. Und das Land gehört zu den am wenigsten vorbereiteten, um die Auswirkungen klimabedingter Naturgefahren, die immer häufiger auftreten, abzumildern oder sich daran anzupassen.

Extreme Wetterereignisse im Zusammenhang mit dem Klimawandel werden immer unvorhersehbarer und schwerwiegender. Am häufigsten treten Überschwemmungen auf, die typischerweise während der Kharif-Regenzeit von Juli bis September auftreten. Starke Regenfälle während dieser Jahreszeit führen oft zu Sturzfluten, die erhebliche Schäden und Verluste für die Gemeinden sowie massive Vertreibungen zur Folge haben.

Und die Klimakrise verschärft sich weiter. Überschwemmungen, Wetterereignisse und Dürren betrafen im Jahr 2025 1,5 Millionen Menschen und zerstörten Häuser, Viehbestände und Lebensgrundlagen. Im Jahr 2024 verursachten außergewöhnlich starke saisonale Regenfälle und schwere Überschwemmungen weitreichende Schäden und Vertreibungen im gesamten Jemen, wodurch sich die ohnehin schon dramatische humanitäre Krise weiter verschärfte. Hunderttausende wurden vertrieben, und mehr als 1,3 Millionen Menschen waren im Jahr 2024 von klimabezogenen extremen Wetterereignissen betroffen.

Jahrelange Konflikte, der wirtschaftliche Zusammenbruch und Klimaschocks haben die grundlegenden Versorgungssysteme im Jemen an den Rand des Zusammenbruchs getrieben, wodurch Millionen von Menschen extrem gefährdet sind. Frauen und Kinder sowie Binnenvertriebene, Menschen mit Behinderungen, Migranten und Flüchtlinge gehören zu den am stärksten gefährdeten Gruppen.

Der Jemen ist von einer der schwersten Hungerkrisen weltweit betroffen; die Bevölkerung ist dort unmittelbar von katastrophalem Hunger (IPC-Phase 5) bedroht oder leidet bereits unter einer Hungersnot. Der IPC, FEWSNET, der „Hunger Hotspots Report“ und der „Global Hunger Index“ stufen den Jemen durchweg als eines der Länder mit der größten Ernährungsunsicherheit weltweit ein.

Derzeit leiden über 53 Prozent der Gesamtbevölkerung – etwa 18 Millionen Menschen – unter schwerer Ernährungsunsicherheit, darunter 5,8 Millionen, die von einer Hungernotlage betroffen sind (IPC-Phase 4). Zudem wird erwartet, dass 40.000 Menschen unter katastrophaler Ernährungsunsicherheit (IPC-Phase 5) leiden werden.

Die Ernährungskrise im Jemen zählt ebenfalls zu den schlimmsten weltweit. Derzeit sind 2,5 Millionen Kinder unter fünf Jahren sowie 1,3 Millionen schwangere und stillende Frauen akut unterernährt. Fast die Hälfte aller Kinder unter fünf Jahren leidet unter Wachstumsverzögerung. Etwa 600.000 Kinder sind schwer unterernährt – ein lebensbedrohlicher Zustand, bei dem die Sterblichkeitsrate elfmal höher ist als bei gesunden Kindern.

Da Tausende von Ernährungszentren aufgrund fehlender Finanzmittel geschlossen wurden und lebenswichtige Vorräte voraussichtlich im Jahr 2026 zur Neige gehen werden, ist das Leben von Hunderttausenden von Kindern bedroht. Ohne dringende Maßnahmen zur Stabilisierung der Ernährungssicherheit und der Ernährungsversorgung werden sich die Hunger- und Unterernäherungskrise weiter verschärfen.

Während Hunger und Unterernährung weiterhin alarmierende Ausmaße annehmen, sind Frauen und Kinder nach wie vor am stärksten von der Notlage betroffen. In einigen Gebieten hat die Lage bereits katastrophale Ausmaße angenommen: Viele Menschen – insbesondere Kinder – sterben aufgrund des Mangels an Nahrungsmitteln, Ernährungshilfe und lebensrettenden Gesundheitsdiensten.

Seit 2025 leidet die humanitäre Hilfe im Jemen unter einem beispiellosen Finanzierungsdefizit aufgrund drastischer Kürzungen durch die Vereinigten Staaten und andere wichtige Geber wie Deutschland. Dieses gravierende Defizit hat Hilfsorganisationen gezwungen, wichtige Dienste trotz steigenden Bedarfs einzuschränken – mit verheerenden Folgen: Millionen von Menschen wurden ohne lebenswichtige Hilfe zurückgelassen und sind nun einem erhöhten Risiko ausgesetzt.

Zudem sind 40 Prozent der Gesundheitseinrichtungen des Landes nicht oder nur teilweise funktionsfähig, was die Kapazitäten für die Erkennung und Behandlung von Unterernährung stark einschränkt. Während das Gesundheitssystem weiter zusammenbricht, benötigen schätzungsweise 19,3 Millionen Menschen dringend medizinische Versorgung. Durch jahrelange Mittelkürzungen verfügen die Gesundheitseinrichtungen nur noch über begrenzte Kapazitäten, um eine neue Konfliktwelle zu bewältigen.

Die Versorgung in den Bereichen Gesundheit, Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene (WASH) sowie Unterkunft und Schutz wird immer weiter eingeschränkt, während grundlegende Systeme zusammenbrechen. Seit Januar 2025 sind mehr als 450 Gesundheitseinrichtungen von einer teilweisen oder unmittelbar bevorstehenden Schließung betroffen, darunter Krankenhäuser, Zentren der primären Gesundheitsversorgung und mobile Kliniken in 22 Provinzen, wodurch 8,4 Millionen Menschen nur noch eingeschränkten Zugang zu medizinischer Grundversorgung haben.

Die Wasser- und Sanitärversorgung verschlechtert sich für über 15 Millionen Menschen, die ohnehin schon unter Wasserknappheit leiden. Da 17,4 Millionen Menschen keine angemessene Sanitärversorgung und Hygiene zur Verfügung haben, nehmen vermeidbare, durch Wasser übertragene Krankheiten stark zu.

Schätzungsweise 6,7 Millionen Menschen leben in unzureichenden Unterkünften, und über 13 Millionen haben keinen ausreichenden Zugang zu sicherem Trinkwasser, was das Risiko von Infektionskrankheiten erhöht. Unterdessen besuchen mehr als 4,5 Millionen Kinder keine Schule. Der eingeschränkte Zugang zu lebenswichtigen Versorgungseinrichtungen verschlechtert weiterhin die Lebensbedingungen der am stärksten gefährdeten Gruppen, darunter Frauen und Kinder.

Im Jemen sterben täglich drei Frauen an vermeidbaren Schwangerschaftskomplikationen. Zudem fehlen 6,2 Millionen Frauen und Mädchen grundlegende Schutzmaßnahmen, und 7 Millionen Menschen benötigen dringend psychologische Unterstützung. Gleichzeitig müssen 6,2 Millionen Menschen Hilfe bei geschlechtsspezifischer Gewalt in Anspruch nehmen, da Frauen und Mädchen – insbesondere in Vertriebenen- und marginalisierten Gemeinschaften – einem eskalierenden Risiko geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt sind.

Da die meisten Gesundheitseinrichtungen geschlossen oder nur teilweise funktionsfähig sind, droht dem Gesundheitssektor des Landes weiterhin der Zusammenbruch. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird die Gesundheitsnotlage durch eine Zunahme von Masern-, Diphtherie-, Dengue-Fieber-, Cholera- und Polio-Ausbrüchen verschärft. Der andauernde Cholera-Ausbruch und andere Epidemien stellen Menschen, die ohnehin schon dringend humanitäre Hilfe benötigen, vor zusätzliche Herausforderungen.

Schätzungen zufolge benötigen 22,3 Millionen Menschen im Jahr 2026 humanitäre Hilfe ; von ihnen sollen 10,5 Millionen erreicht werden, wobei 8,8 Millionen als dringend Hilfe benötigend eingestuft werden. Der Humanitäre Reaktionsplan (HRP) für 2026 sieht Mittel in Höhe von 2,1 Milliarden US-Dollar vor und ist damit weltweit der fünftgrößte HRP. Bis September war der diesjährige HRP für den Jemen erst zu 21 Prozent finanziert. Bislang sind lediglich 444 Millionen US-Dollar eingegangen.

Im Jahr 2025 benötigten mindestens 19,5 Millionen Menschen im Jemen humanitäre Hilfe und Schutz. Darunter befanden sich 9,8 Millionen Kinder, die dringend Hilfe benötigten. Bis Januar 2026 waren lediglich 28 Prozent der im Humanitären Bedarfs- und Reaktionsplan für den Jemen für 2025 beantragten 2,47 Milliarden US-Dollar eingegangen, was die Umsetzung lebenswichtiger Programme erheblich behinderte. Der Plan sah vor, 10,5 Millionen der am stärksten gefährdeten Menschen in Not dringend benötigte humanitäre Hilfe zukommen zu lassen.

Im vergangenen Jahr blieb die humanitäre Lage in weiten Teilen des Landes weiterhin dramatisch oder verschlechterte sich sogar. Es gab 1,3 Millionen mehr Frauen, Kinder und Männer, die Hilfe benötigten, als im Vorjahr. Im Jahr 2024 benötigten 18,2 Millionen Menschen humanitäre Hilfe.

Im HRP 2024 wurden 2,7 Milliarden US-Dollar angefordert, um 11,2 Millionen notleidende Menschen im ganzen Land zu erreichen. Im Januar 2025 war der HRP 2024 nur zu 53 Prozent finanziert. Ungeachtet der Finanzierungslücken und anderer Herausforderungen erreichten 197 Hilfsorganisationen 2024 mehr als 8 Millionen Menschen mit lebensrettender Hilfe – zwei Drittel davon waren lokale jemenitische Organisationen.

2023 benötigten die UN und ihre Partnerorganisationen 4,3 Milliarden US-Dollar, um Millionen von Menschen im ganzen Land Hilfe zu leisten. Bis Januar 2024 waren nur 1,71 Milliarden Dollar von internationalen Gebern eingegangen (Deckungsrate von 40 Prozent). Trotz fehlender Mittel und erheblicher Zugangsprobleme leisteten 211 humanitäre Organisationen im Jahr 2023 jeden Monat durchschnittlich 8,9 Millionen Menschen Hilfe und Schutz, darunter Binnenvertriebene, Rückkehrer, marginalisierte Gemeinschaften und gefährdete Aufnahmegemeinschaften.

Die Vereinten Nationen hatten für die Jemen-Krise im Jahr 2022 Mittel in Höhe von 4,27 Mrd. US-Dollar angefordert. Bis Ende 2022 waren nur 2,28 Milliarden von internationalen Gebern eingegangen (Deckungsrate von 53 Prozent). Dennoch gelang es den Hilfsorganisationen im Jahr 2022, jeden Monat fast 11 Millionen Menschen im ganzen Land mit lebensrettenden Hilfsgütern zu versorgen, darunter Nahrungsmittel, sauberes Wasser, Unterkünfte, Schutz und Bildung. Mehr als 200 humanitäre Organisationen in allen 333 Bezirken Jemens leisteten diese humanitäre Hilfe.

Die Sicherheitslage

Der Konflikt zwischen einer von Saudi-Arabien angeführten Koalition von Golfstaaten und der abgesetzten Regierung des Jemen gegen die Ansar-Allah-Bewegung - auch bekannt als Huthi-Rebellen - eskalierte 2015, als Saudi-Arabien im März mit Luftangriffen gegen die Huthis und mit den Huthis verbundene Kräfte begann. Die militärische Unterstützung der Koalition durch die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich heizte den Konflikt an und verschärfte die humanitäre Krise. Die Huthi-Bewegung wird vom Iran unterstützt. 

Der langwierige bewaffnete Konflikt im Jemen dauert nun schon mehr als zehn Jahre an. In den Jahren 2020 und 2021 wurden die Kämpfe im Jemen fortgesetzt, während die Huthi Gebiete eroberten und auch Drohnen- und Raketenangriffe gegen Ziele in Saudi-Arabien durchführten.

Im März 2022 kündigte die von Saudi-Arabien geführte Koalition an, alle Feindseligkeiten im Jemen einzustellen, um politische Gespräche und Friedensbemühungen zu erleichtern. Die Friedensbemühungen gewannen im April 2022 an Dynamik, als die Huthi und die Koalitionsstreitkräfte eine zweimonatige Waffenruhe vereinbarten, den ersten landesweiten Waffenstillstand seit Jahren. Im Juni 2022 stimmten die Konfliktparteien im Jemen einem Vorschlag der Vereinten Nationen zu, die Waffenruhe um weitere zwei Monate zu verlängern. In letzter Minute, Anfang August, verlängerten die Kriegsparteien den Waffenstillstand erneut um zwei Monate.

Es bestand große Hoffnung, dass dies zu einem dauerhaften Frieden im Jemen führen würde. Nach seinem Ablauf wurde der Waffenstillstand jedoch bislang weder verlängert noch ausgeweitet. Unter der sechsmonatigen, von den Vereinten Nationen vermittelten Waffenruhe, die vom 2. April bis zum 2. Oktober 2022 dauerte, gingen die Opferzahlen unter der Zivilbevölkerung und die Zahl der Vertriebenen drastisch zurück.

Obwohl die von den Vereinten Nationen vermittelte Waffenruhe nicht verlängert wurde, herrschten für mehr als vier Jahre fragile, einer Waffenruhe ähnliche Bedingungen. Infolgedessen nahm die Gewalt ab und es wurden Fortschritte bei den politischen Verhandlungen erzielt. Es fanden keine Luftangriffe oder größeren Militäroperationen statt, obwohl es in den Frontgebieten weiterhin zu kleineren Zusammenstößen kam.

Nach Angaben des Amts der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) stieg die Zahl der Vertriebenen nach dem Auslaufen des Waffenstillstands jedoch an, da der Konflikt wieder aufflammte. Im letzten Quartal 2022 und Anfang 2023 führten verstärkte Kämpfe entlang der Frontlinien zur Vertreibung von Tausenden. Im Laufe des Jahres 2023 wurden die Bedingungen des Waffenstillstands jedoch weitgehend beibehalten.

Mitte April 2023 ließen die Konfliktparteien im Jemen fast 1000 Gefangene frei und weckten damit die Hoffnung auf eine Lösung des Konflikts. Die Entwicklung kam einen Monat nach einer Vereinbarung zwischen Saudi-Arabien und Iran über die Wiederherstellung der Beziehungen. Nach der diplomatischen Annäherung beider Länder wächst in der Region die Hoffnung auf eine umfassende politische Lösung und ein baldiges Ende des neunjährigen Krieges im Jemen.

Die Verhandlungen und Gespräche zwischen den Kriegsparteien und interesssierten Parteien werden im Hintergrund fortgesetzt, unter der Vermittlung der Vereinten Nationen, haben aber bislang weder zu einem neuen Waffenstillstand noch einem Friedensabkommen geführt. Der Sondergesandte des UN-Generalsekretärs für den Jemen, Hans Grundberg, setzt gleichwohl seine Friedensbemühungen fort.

Im Dezember 2023 hatten sich die Kriegsparteien im Jemen nach einer Reihe von Treffen in Saudi-Arabien und Oman unter Vermittlung der UN auf wichtige Schritte zur Beendigung des verheerenden Bürgerkriegs geeinigt. Zu den vereinbarten Maßnahmen gehörten, die Umsetzung eines landesweiten Waffenstillstands, die Verbesserung der Lebensbedingungen im Jemen und die Wiederaufnahme eines inklusiven politischen Prozesses unter UN-Schirmherrschaft, die zu dauerhaftem Frieden im Jemen führen sollen.

Der Konflikt des Landes hat sich zunehmend internationalisiert, und der eskalierende Kreislauf von Angriffen und Gegenangriffen behindert die Aussichten auf Frieden und droht, die seit dem Waffenstillstand von 2022 verbesserten Sicherheitsbedingungen für die Zivilbevölkerung zunichte zu machen. Eine Rückkehr zu weit verbreiteter Gewalt würde weitere Vertreibungen auslösen, die Grundversorgung zusammenbrechen lassen und die bereits schwere humanitäre Krise verschärfen – und den Jemen weiter von dem Frieden entfernen, den er so dringend braucht.

Seit 2023 hat Ansar Allah seine Angriffe in Israel verstärkt und weiterhin internationale Schiffe im Roten Meer ins Visier genommen, was zu Vergeltungsschlägen der Vereinigten Staaten, Großbritanniens und Israels gegen den Jemen geführt hat. In den Jahren 2024 und 2025 griffen die Huthi-Kräfte Israel mit Drohnen und Raketen an, wodurch mehrere Zivilisten verletzt wurden. Als Reaktion auf diese Angriffe gab es zahlreiche israelische Luftangriffe auf Hudaydah, einen wichtigen Zugangspunkt für humanitäre Hilfe in den verarmten Jemen, sowie auf den internationalen Flughafen von Sanaa.

Die israelischen Luftangriffe haben wichtige zivile Infrastrukturen beschädigt, darunter den internationalen Flughafen von Sanaa und den Hafen von Hudaydah, wodurch die Entladung humanitärer Hilfsgüter behindert wurde. Während die regionalen Spannungen die Schlagzeilen beherrschten, kam es an mehreren Fronten zu einer Eskalation.

Die militärische Eskalation im Land nach den Luftangriffen der USA, Großbritanniens und Israels auf Ziele der Huthi-Rebellen birgt die Gefahr, dass sich die ohnehin schon ernste Lage der Zivilbevölkerung weiter verschlechtert. Eine weitere Verschlechterung könnte den fragilen Friedensprozess im Jemen und die langfristige Erholung von einer der schlimmsten humanitären Krisen der Welt untergraben. Angesichts der Verschärfung des bewaffneten Konflikts im Nahen Osten besteht die Gefahr, dass der Jemen weiter in diesen hineingezogen wird. Ohne eine dauerhafte politische Lösung im Land und eine dauerhafte Beilegung des Gaza-Krieges bleibt die Lage prekär.

Nach Angaben der Vereinten Nationen behindern willkürliche Verhaftungen von humanitären Helfern und falsche Anschuldigungen gegen sie weiterhin erheblich die Fähigkeit der Hilfsorganisationen, lebensrettende humanitäre Hilfe im Jemen zu leisten. Seit Juni 2024 werden UN-Mitarbeiter, NGO-Mitarbeiter und andere Personen willkürlich von den Huthi inhaftiert. Einige UN-Mitarbeiter sind auch seit 2021 und 2023 inhaftiert.

Ansar Allah hält Berichten zufolge derzeit 53 UN-Mitarbeiter fest. Die UN haben gewarnt, dass das immer härtere Vorgehen die humanitären Einsätze lahmlegt und Millionen von Menschenleben gefährdet. Diese Festnahmen haben die Bereitstellung humanitärer Hilfe in den von den Huthi kontrollierten Gebieten nahezu unmöglich gemacht, was sich unmittelbar auf Millionen von Menschen in Not auswirkt, da ihr Zugang zu lebensrettender Hilfe eingeschränkt wird.

Im Dezember 2025 rückten Truppen, die dem Southern Transitional Council (STC), einer separatistischen Gruppe, angehören, auf die beiden ressourcenreichen Provinzen Hadramawt und al-Mahra vor, übernahmen rasch die Kontrolle von der von Saudi-Arabien unterstützten Regierung und verschoben damit dramatisch das Machtgleichgewicht im Süden Jemens.

Im Januar erlangten die Regierungstruppen mit saudischer Luftunterstützung nach dem Rückzug der STC-Kräfte die Kontrolle über al-Mahra und Teile von Hadramawt zurück. Der STC wird Berichten zufolge von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) unterstützt und strebt einen unabhängigen Südjemen an.

Im September 2026 endete die Phase relativer Ruhe im Jemen abrupt. Die Lage im Land hatte sich bereits in den vergangenen Monaten zunehmend zugespitzt. Im Zusammenhang mit dem von Israel und den Vereinigten Staaten am 28. Februar gegen den Iran begonnenen Krieg griffen die Huthi Ende März Israel an.

Dies löste erneut Befürchtungen aus, dass der Jemen in den eskalierenden Konflikt hineingezogen werden könnte. Im August warnte UN-Sondergesandter Grundberg, dass für den Jemen „ein ernsthafteres Risiko einer Rückkehr zu einem großangelegten Konflikt bestehe als jemals zuvor seit dem von der UN vermittelten Waffenstillstand von 2022“.

Dieses Risiko ist nun bittere Realität geworden, da entlang mehrerer Frontlinien die Kämpfe eskaliert sind. Die Huthi haben die Kontrolle über die Hafenstadt Mokha erlangt, die etwa 75 Kilometer von der Meerenge von Bab el-Mandeb entfernt liegt. Diese Entwicklungen folgten auf wochenlange Eskalationen, die auf die umfangreichen Angriffe der Huthi in den Städten Taiz und Hudaydah Anfang September folgten.

Die eskalierenden Feindseligkeiten im Jemen zwingen die Menschen zur Flucht aus ihren Häusern, führen zu zivilen Opfern und setzen die ohnehin schon stark belasteten humanitären Hilfsmaßnahmen unter zunehmenden Druck. Seit Anfang September 2026 wurden mindestens 130.000 Menschen durch die erneuten Kämpfe vertrieben.

Spenden

Ihre Spende für die Nothilfe im Jemen kann dazu beitragen, dass die Organisationen der Vereinten Nationen, internationale humanitäre Nichtregierungsorganisationen und ihre Partner vor Ort den Menschen, die es am nötigsten brauchen, rasch Wasser, Nahrungsmittel, Medikamente, Unterkünfte und andere Hilfsgüter zur Verfügung stellen können.

  • UN-Krisenhilfe: Nothilfe Jemen
    https://crisisrelief.un.org/yemen-crisis
  • UNICEF Deutschland: Nothilfe Jemen
    https://www.unicef.de/informieren/projekte/asien-4300/jemen-19406
  • UNO-Flüchtlingshilfe:  Nothilfe Jemen
    https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/spenden-jemen-nothilfe
  • Save the children Deutschland:  Spenden für Kinder im Jemen
    https://www.savethechildren.de/unterstuetzen/nothilfe/spenden-jemen/
  • Welthungerhilfe: Spenden für Jemen
    https://www.welthungerhilfe.de/spenden-jemen/
  • Islamic Relief Deutschland: Nothilfe Jemen
    https://www.islamicrelief.de/nothilfe-jemen/

Weitere Organisationen, an die Sie spenden können, finden Sie unter:  Humanitäre Krisenhilfe, Flucht und Vertreibung, Kinder in Not, Hunger und Ernährungsunsicherheit, Medizinische Nothilfe, Vulnerable Gruppen, Glaubensbasierte humanitäre Organisationen und Menschenrechtsorganisationen.

Weitere Informationen

  • Council on Foreign Relations: Background Yemen Crisis (in Englisch)
    https://www.cfr.org/backgrounder/yemen-crisis
  • USA for UNHCR: Yemen Crisis Explained (in Englisch)
    https://www.unrefugees.org/news/yemen-crisis-explained/
  • European Civil Protection and Humanitarian Aid Operations (ECHO): Yemen (in Englisch)
    https://civil-protection-humanitarian-aid.ec.europa.eu/where/middle-east-and-northern-africa/yemen_en
  • International Crisis Group: Yemen (in Englisch)
    https://www.crisisgroup.org/middle-east-north-africa/gulf-and-arabian-peninsula/yemen
  • ACAPS: Yemen complex crisis (in Englisch)
    https://www.acaps.org/country/yemen/crisis/complex-crisis
  • Human Rights Watch World Report 2026: Yemen (in Englisch) 
    https://www.hrw.org/world-report/2026/country-chapters/yemen
  • Human Rights Watch World Report 2025: Yemen (in Englisch) 
    https://www.hrw.org/world-report/2025/country-chapters/yemen
  • Human Rights Watch World Report 2024: Yemen (in Englisch) 
    https://www.hrw.org/world-report/2024/country-chapters/yemen
  • Amnesty International World Report 2025/2026 : Yemen (in Englisch) 
    https://www.amnesty.org/en/location/middle-east-and-north-africa/yemen/report-yemen/

Zuletzt aktualisiert: 21/09/2026

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