Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) vom Donnerstag sind rund 50.000 Menschen nach gewalttätigen Zusammenstößen im benachbarten Äthiopien in den Norden Kenias geflohen. Weitere Ankünfte könnten die lokalen Versorgungsstrukturen, die bereits stark beansprucht sind, zusätzlich belasten. Die Fluchtbewegungen folgen auf zehn Tage andauernde Zusammenstöße zwischen den ethnischen Gruppen der Somali und Oromo in und um die Grenzstadt Moyale.
Angesichts der sich ständig verändernden Lage bereiten sich die kenianische Regierung und Hilfsorganisationen darauf vor, bis zu 80.000 Menschen aufzunehmen, da mit weiteren Fluchtbewegungen und wachsendem humanitärem Bedarf gerechnet wird.
„Tausende Menschen sind auf der Suche nach Sicherheit nach Kenia gekommen, und die meisten werden von lokalen Gemeinden aufgenommen“, sagte Nomagugu Ncube, Missionsleiterin der IOM in Kenia.
„Die Lage ist weiterhin unbeständig, und die Zahl der Neuankömmlinge könnte in den kommenden Tagen steigen. Die Deckung ihres unmittelbaren Bedarfs bei gleichzeitiger Unterstützung der Gemeinden, die nun Tausende beherbergen, hat höchste Priorität.“
Bis Donnerstag waren die Neuankömmlinge bei lokalen Gemeinden entlang der Grenze oder in fünf Notunterkünften untergekommen. Die Gemeinden, die die Neuankömmlinge aufnehmen, stehen aufgrund begrenzter Ressourcen und Versorgung bereits unter Druck und benötigen Wasser, Unterkünfte, medizinische Versorgung, Schutz und Grundversorgungsgüter.
Im Rahmen der umfassenderen humanitären Hilfsmaßnahmen der Vereinten Nationen arbeitet die IOM mit der kenianischen Regierung, dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) und anderen humanitären Organisationen zusammen, um grenzüberschreitende Bewegungen zu überwachen, die Vertreibung zu bewerten und dringende Hilfsmaßnahmen zu ergreifen.
Am Mittwoch äußerte das Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) tiefe Besorgnis über die interkommunalen Gewalttätigkeiten, die vor zehn Tagen in Moyale, einer Stadt an der kenianisch-äthiopischen Grenze, ausgebrochen waren.
Es gibt Berichte über Tote und Verletzte sowie über Störungen im Verkehr, auf den Märkten und im grenzüberschreitenden Handel, wodurch der Zugang zu lebensnotwendigen Gütern und Diensten eingeschränkt ist. Die anhaltende Unsicherheit hat mehrere Hilfsorganisationen dazu gezwungen, ihre Aktivitäten auszusetzen.
Die Vereinten Nationen und ihre Partner bereiten eine gemeinsame Erkundungsmission in die betroffenen Gebiete vor, sobald die Sicherheitslage dies zulässt.
OCHA betonte, wie wichtig es ist, die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten und allen Menschen in Not einen sicheren, dauerhaften und ungehinderten Zugang zu humanitärer Hilfe zu ermöglichen.
Auf äthiopischer Seite hat die Gewalt Berichten zufolge Tausende Menschen in den Regionen Oromia und Somali vertrieben, obwohl noch keine verifizierten Zahlen vorliegen. Viele der Flüchtenden sind Frauen und Kinder.
Einige finden Unterkunft bei Verwandten und in Aufnahmegemeinden, während andere in Notunterkünften wie Schulen und Kirchen Zuflucht gesucht haben. Nahrung, sauberes Trinkwasser, Notunterkünfte, sanitäre Einrichtungen und medizinische Versorgung zählen weiterhin zu dem dringendsten Bedarf.
Am Mittwoch berichtete das UNHCR, dass es ein Notfallteam nach Moyale entsandt habe. Das Team arbeitet eng mit der kenianischen Regierung, den Bezirksbehörden, der IOM, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF), dem Welternährungsprogramm (WFP), dem Kenianischen Roten Kreuz und anderen humanitären Partnern zusammen, um die nationalen und lokalen Hilfsmaßnahmen zu unterstützen.
„Das UNHCR mobilisiert Nothilfegüter, darunter wichtige Haushaltsgegenstände und Materialien für provisorische Unterkünfte, um fast 12.000 Menschen zu unterstützen, wobei bereits Maßnahmen ergriffen werden, um die Hilfe entsprechend dem wachsenden Bedarf auszuweiten“, erklärte Fatima Mohammed-Cole, UNHCR-Vertreterin in Kenia, am Mittwoch.
Das Kenianische Rote Kreuz betreibt sechs Gesundheitsstationen, an denen auf Unterernährung untersucht und Hilfsgüter verteilt werden. Lokale Gemeinden haben Lebensmittel und Wasser zur Verfügung gestellt, obwohl ihre Vorräte begrenzt sind.
Die IOM plant ebenfalls eine Nothilfemaßnahme, um Unterkünfte und lebensnotwendige Haushaltsgegenstände bereitzustellen, Notunterkünfte für die am stärksten gefährdeten Familien einzurichten, Wassertanks und Wasseraufbereitungstabletten bereitzustellen sowie Lagebeurteilungen durchzuführen.