Das Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) berichtet von leichten Verbesserungen beim Zustrom lebenswichtiger Hilfsgüter in den Gazastreifen. Der Bedarf ist jedoch nach wie vor enorm, und die Bevölkerung ist weiterhin in extremen Maße auf Hilfe angewiesen. Aktuelle Daten zeigen, dass das Volumen der Hilfsgüter, die Hilfsorganisationen im Juli nach Gaza bringen konnten, im Vergleich zum Juni um 33 Prozent gestiegen ist.
Mehr als 56.000 Paletten mit Hilfsgütern – etwa 35.000 Tonnen oder 2.300 Lkw-Ladungen – erreichten den Gazastreifen im Juli, wodurch das Versorgungsniveau wieder auf das Niveau vor der regionalen Eskalation im Februar zurückkehrte. Etwa 60 Prozent dieser Hilfsgüter waren Lebensmittel, gefolgt von kleineren Mengen an Gütern für Unterkünfte, Wasser, Sanitärversorgung, Hygiene und Gesundheit. Darüber hinaus hat der privatwirtschaftliche Sektor weitere Güter ins Territorium geliefert.
Trotz dieser Fortschritte warnen humanitäre Organisationen, dass weiterhin Beschränkungen hinsichtlich der Arten von Hilfsgütern bestehen, die nach Gaza eingeführt werden dürfen. Insbesondere weisen sie darauf hin, dass zusätzliche Genehmigungen erforderlich sind, um Motoröl und Ersatzteile in das Palästinensische Gebiet zu bringen, da alle humanitären Einsätze auf Fahrzeuge und Notstromaggregate angewiesen sind, die gewartet werden müssen.
Die wiederholte Ablehnung von Anträgen auf die Einfuhr von Motoröl durch Israel in Verbindung mit unzureichenden Mengen an hochwertigem Schmieröl, das über den privaten Sektor gelangt, könnte dazu führen, dass wichtige Einrichtungen wie Krankenhäuser, Pumpstationen und Bäckereien ihre Aktivitäten einschränken oder einstellen müssen.
Am Freitag wies OCHA auf eine weitere Einschränkung hin: langlebige Materialien für Notunterkünfte. Die meisten der 2,1 Millionen Menschen in Gaza leben weiterhin unter entsetzlichen Bedingungen als Vertriebene. Bislang durften Hilfsorganisationen größtenteils nur Zelte einführen, deren Haltbarkeit nicht für einen längeren Zeitraum ausgelegt ist.
Eine neue Einschätzung des UN-Satellitenzentrums (UNOSAT) schätzt, dass die Zahl der zerstörten Gebäude in Gaza seit der Verkündung des Waffenstillstands im Oktober 2023 um 9 Prozent gestiegen ist. Insgesamt sind etwa 82 Prozent der Gebäude in Gaza beschädigt – mehr als 200.000 in unterschiedlichem Ausmaß – und zwei Drittel davon werden als zerstört eingestuft.
Trotz der nominellen Waffenruhe geht die Tötung von Zivilisten weiter
Zivilisten im gesamten Gazastreifen sind weiterhin intensiven Militärschlägen, Beschuss, Schusswechseln und Beschuss durch die Marine ausgesetzt. Am Donnerstag berichtete das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF), dass in den vergangenen 300 Tagen mindestens 300 Kinder in Gaza getötet wurden – durchschnittlich ein Kind pro Tag – und Hunderte weitere schwer verletzt wurden.
„Ein Waffenstillstand, bei dem durchschnittlich jeden Tag ein Kind stirbt, versagt gegenüber den Kindern“, sagte Edouard Beigbeder, UNICEF-Regionaldirektor für den Nahen Osten und Nordafrika.
„Da Hunderte weitere Kinder verletzt wurden, viele davon schwer, warten die Kinder in Gaza immer noch auf das Ende der Gewalt, das ihnen versprochen wurde.“
Die Bewohner Gazas sind mittlerweile auf etwa ein Drittel des Gebiets zusammengepfercht und suchen unter gefährlichen Bedingungen Zuflucht zwischen zerstörten Gebäuden, Trümmern und angehäuftem Müll. In ganz Gaza sind Kinder weiterhin mit akuter Unterernährung, Krankheiten, unsauberem Wasser und beschädigten Sanitäranlagen konfrontiert.
„Die Ankündigungen der vergangenen Tage enthalten einen Fahrplan für die nächste Phase des Waffenstillstands, einschließlich Schritte zur Beendigung der Feindseligkeiten und zur Ausweitung der humanitären Hilfe. Dies bietet neue Hoffnung und eine Chance, endlich zu verhindern, dass Kinder getötet werden“, sagte Beigbeder.
„Für die Kinder in Gaza ist die Frage einfach: Hört das Töten auf? Erreichen sie Hilfsgüter in ausreichendem Umfang? Werden Krankenhäuser wieder geöffnet und fließt wieder Wasser? Können die Kinder im September sicher zur Schule zurückkehren? Kinder haben schon früher Versprechungen gehört. Diesmal müssen Vereinbarungen in Taten umgesetzt werden.“
Die Kinder in Gaza leben weiterhin unter entsetzlichen Lebensbedingungen, wie zum Beispiel in überfüllten Notunterkünften mit eingeschränktem Zugang zu sauberem Wasser und medizinischer Versorgung. Die UN und ihre humanitären Partner tun ihr Möglichstes, um die Hilfe auszuweiten.
UNICEF forderte alle Konfliktparteien auf, ihren Verpflichtungen nach dem Völkerrecht, einschließlich des humanitären Völkerrechts und der Menschenrechte, nachzukommen.
„Sie müssen Kinder schützen, ihren Zugang zu lebensnotwendigen Gütern und Versorgungsleistungen wie Gesundheitsversorgung, Bildung, sauberem Wasser und Nahrungsmitteln gewährleisten sowie einen sicheren, schnellen und ungehinderten humanitären Zugang zu notleidenden Kindern zulassen und unterstützen“, erklärte die UN-Organisation.
Seit Inkrafttreten des Waffenstillstands vor zehn Monaten haben israelische Sicherheitskräfte über 1.200 Palästinenser im Gazastreifen getötet, wodurch die Zahl der Todesopfer seit Oktober 2023 auf mehr als 73.000 gestiegen ist. Unter den bestätigten Todesopfern befinden sich über 21.200 Kinder. Schätzungsweise 58.000 Kinder haben einen oder beide Elternteile verloren.
Die tatsächliche Zahl der Todesopfer dürfte aber noch weitaus höher liegen. Zu den bestätigen Todesopfern zählen mindestens 595 Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, 401 UN-Mitarbeiter, 1.700 Beschäftigte im Gesundheitswesen und 262 Journalisten. Zudem haben israelische Streitkräfte in Gaza über 174.000 Menschen Verletzungen zugefügt. Etwa 43.000 der Verletzten haben lebensverändernde Behinderungen davongetragen.
Die steigende Zahl der Todesopfer geht mit einer parallel dazu andaurndenden Krise in den Bereichen Ernährungssicherheit und Ernährung einher, wie aus der jüngsten Analyse der Integrierten Phase-Klassifizierung der Ernährungssicherheit (IPC) hervorgeht.
Die im Juli veröffentlichte IPC-Analyse ergab, dass sich die Ernährungssicherheit und die Ernährung von Kindern seit Dezember 2025 zwar verbessert haben, derzeit jedoch schätzungsweise 1,4 Millionen Menschen – 67 Prozent der Bevölkerung im Gazastreifen – unter akuter Ernährungsunsicherheit auf Krisenebene (IPC-Phase 3) oder schlimmer leiden. Dies entspricht einem Rückgang gegenüber 1,6 Millionen Menschen Ende des vergangenen Jahres.
Die Analyse ergab allerdings, dass sich immer noch schätzungsweise 212.000 Menschen in einer Hungernotlage (IPC-Phase 4) befinden. Viele dieser Menschen leben in Gebieten nahe der von Israel kontrollierten „Gelben Linie“, wo der Zugang zu humanitärer Hilfe und Versorgung eingeschränkt ist.
Der Versuch, Lebensmittel und medizinische Versorgung bereitzustellen, vollzieht sich vor dem Hintergrund eines schrumpfenden Lebensraums und anhaltender militärischer Übergriffe, welche die Zivilbevölkerung in immer engere räumliche Verhältnisse zwingen.
Berichten zufolge dauern die Luftangriffe und Angriffe des israelischen Militärs auf beiden Seiten der Gelben Linie an, von der sich die israelischen Streitkräfte gemäß dem Waffenstillstandsabkommen zurückgezogen hatten. Die israelischen Streitkräfte dringen jedoch weiterhin über die Gelbe Linie hinaus tiefer in den Gazastreifen vor. Sie kontrollieren mittlerweile etwa 70 Prozent des Territoriums, gegenüber rund 53 Prozent im Oktober 2025, als das Waffenstillstandsabkommen in Kraft trat.
Anhaltende Militäroperationen in der Nähe der Gelben Linie, gepaart mit Angriffen an anderen Orten im Gazastreifen, beeinträchtigen das Leben der Zivilbevölkerung erheblich. Diese Einsätze beschädigen Notunterkünfte, führen zu erneuter Vertreibung und schränken den Zugang zu lebensrettenden Hilfsleistungen ein.
Dieses Vorgehen drängt die Palästinenser in immer kleinere Landgebiete und weckt ernsthafte Sorgen hinsichtlich ethnischer Säuberung als Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das sich gegen die Zivilbevölkerung richtet, oder sogar hinsichtlich eines andauernden Völkermords an den Palästinensern als Gruppe.
Systematische Gräueltaten, fehlende Rechenschaftspflicht und Straflosigkeit
Im Juni veröffentlichte eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen einen niederschmetternden Bericht, in dem festgestellt wurde, dass israelische Regierungsbehörden und Sicherheitskräfte im Gazastreifen nach wie vor Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen begehen. Dies folgt auf die Schlussfolgerung der Kommission aus dem vergangenen Jahr, dass Israel Völkermord an der palästinensischen Bevölkerung im Gazastreifen begeht.
Der aktualisierte Bericht der Unabhängigen Internationalen Untersuchungskommission der Vereinten Nationen für die besetzten palästinensischen Gebiete, einschließlich Ostjerusalem, und Israel betont, dass die israelischen Militäroperationen in großem Umfang und systematisch fortgesetzt wurden. Diese Operationen haben zu einer beispiellosen Zahl von Todesfällen, Verletzungen und Traumata unter palästinensischen Kindern geführt.
Die Kommission bekräftigte, dass das gezielte Angreifen von Kindern ein entscheidender Beweis für die Völkermordabsicht der israelischen Behörden und Sicherheitskräfte sei, die palästinensische Bevölkerungsgruppe im Gazastreifen ganz oder teilweise zu vernichten. Nach dem Völkerrecht sind die israelischen Behörden verpflichtet, die Rechte von Kindern in allen Gebieten unter ihrer Hoheitsgewalt oder Kontrolle, einschließlich der besetzten Gebiete, zu wahren.
Ein früherer Bericht lieferte Beweise dafür, dass israelische Behörden und Sicherheitskräfte im Gazastreifen vier Kategorien von Handlungen begangen haben, die einen Völkermord darstellen, mit der Absicht, die Gruppe der Palästinenser ganz oder teilweise zu vernichten. Zu diesen Handlungen gehören die Tötung von Angehörigen der Gruppe, die Zufügung schwerer körperlicher oder seelischer Schäden an Angehörigen der Gruppe sowie die vorsätzliche Auferlegung von Lebensbedingungen für die Gruppe, die darauf abzielen, ihre physische Vernichtung ganz oder teilweise herbeizuführen.
Diese Schlussfolgerungen spiegeln die Erkenntnisse mehrerer internationaler Menschenrechtsorganisationen wider, darunter Amnesty International und die Internationale Föderation für Menschenrechte sowie israelische Organisationen wie B’Tselem und Physicians for Human Rights-Israel.
Unabhängige Menschenrechtsexperten und weltweit führende Völkermordforscher sind ebenfalls zu dem Schluss gekommen, dass Israels Handlungen im Gazastreifen keineswegs nur als Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit einzustufen sind, sondern auch als Völkermord an der palästinensischen Bevölkerung im Gazastreifen.
Vor diesem Hintergrund äußern Menschenrechtsgruppen und humanitäre Organisationen weltweit zunehmende Besorgnis über die Straffreiheit, die israelische Militärangehörige, Regierungsbeamte und Regierungsvertreter für die Begehung einiger der schlimmsten internationalen Verbrechen erfahren.