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  1. Humanitäre Nachrichten

UN warnt vor „umfassendem Bürgerkrieg“ im Sudan

Von Simon D. Kist, 10 Juli, 2023

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, hat den Luftangriff in der sudanesischen Stadt Omdurman am Samstag verurteilt, bei dem Berichten zufolge mindestens 22 Menschen getötet und Dutzende verletzt wurden. Guterres ist "nach wie vor tief besorgt darüber, dass der anhaltende Krieg zwischen den bewaffneten Kräften den Sudan an den Rand eines umfassenden Bürgerkriegs gebracht hat, der die gesamte Region destabilisieren könnte", so sein Sprecher.

UN-Sprecher Farhan Haq teilte in einer am Samstag veröffentlichten Erklärung mit, der Generalsekretär sei entsetzt über Berichte über massive Gewalt und Opfer in Darfur. "Er ist auch besorgt über Berichte über erneute Kämpfe in den Staaten Nord-Kordofan, Süd-Kordofan und Blauer Nil. Die völlige Missachtung des humanitären Völkerrechts und der Menschenrechte ist gefährlich und Besorgnis erregend", sagte Haq.

Guterres forderte die sudanesischen Streitkräfte (SAF) und die Rapid Support Forces (RSF) erneut auf, die Kämpfe einzustellen und sich zu einer dauerhaften Beendigung der Feindseligkeiten zu verpflichten. "Er appelliert auch an diese Parteien, ihren Verpflichtungen aus dem humanitären Völkerrecht und den Menschenrechten zum Schutz der Zivilbevölkerung nachzukommen und humanitäre Maßnahmen zu ermöglichen", heißt es in der Erklärung.

Die Kämpfe im Sudan gehen nun schon in die 13. Woche und ein Ende ist nach mehreren gescheiterten Waffenstillstandsversuchen nicht in Sicht. Das Land wurde am 15. April ins Chaos gestürzt, als Zusammenstöße zwischen den Truppen zweier rivalisierender Generäle ausbrachen. 

Die sudanesische Armee unter der Führung von Abdel Fattah al-Burhan und die paramilitärische RSF unter dem Kommando von Mohamed Hamdan Daglo liefern sich seit fast drei Monaten Kämpfe im Sudan, bei denen sie die Hauptstadt verwüsten und sowohl in Khartum als auch in Darfur, einer riesigen Region im Westen des Landes, die an den Tschad grenzt, schwere Gewaltakte verüben.

Seit Mitte April mussten fast 3 Millionen Menschen fliehen, darunter mehr als 2,2 Millionen Binnenvertriebene und rund 700.000 Flüchtlinge, Asylbewerber, Rückkehrer und ausländische Staatsangehörige, die über die Grenzen in die Nachbarländer gelangt sind. 

Zu den wichtigsten Aufnahmeländern gehören die Zentralafrikanische Republik, der Tschad, Ägypten, Äthiopien und der Südsudan. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind die meisten Vertriebenen im Sudan aus den Bundesstaaten Khartum und Darfur geflohen.

Der Bedarf an humanitärer Hilfe im Sudan war bereits vor der Verschlechterung der Lage auf einem Rekordniveau. Die Zahl der Menschen, die humanitäre Hilfe benötigen, beläuft sich derzeit auf 24,7 Millionen - mehr als die Hälfte der sudanesischen Bevölkerung. Unter ihnen befinden sich 13 Millionen Kinder, die dringend lebensrettende humanitäre Hilfe benötigen.

Der bewaffnete Konflikt im Land verschärft die ohnehin schon schwierige Hungersituation weiter. Durch den Konflikt hat sich die Zahl der am stärksten von Hunger bedrohten Menschen drastisch erhöht - von 11,7 Millionen auf 19,1 Millionen Menschen.

Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) sind viele Menschen in den Bundesstaaten Khartum, Darfur und Kordofan aufgrund des Konflikts gestrandet und von grundlegender humanitärer Hilfe abgeschnitten. Es gibt besorgniserregende Berichte über vertriebene Zivilisten, darunter auch Flüchtlinge, die bei dem Versuch, sich innerhalb des Landes und über die Grenzen hinweg in Sicherheit zu bringen, in Lebensgefahr geraten.

Laut UNHCR haben die Menschen aufgrund der Intensität des Konflikts kaum eine andere Wahl, als unter extrem gefährlichen und schwierigen Bedingungen zu fliehen, wobei sie körperliche Misshandlungen, Diebstahl und Raubüberfälle riskieren, und in einigen Fällen wird ihnen die Weiterreise aus den Konfliktgebieten verweigert und sie werden gezwungen, sich erneut in Gefahr zu begeben.

Nach Angaben des UN-Amtes für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) behindern Unsicherheit und bürokratische Zugangshindernisse sowie Angriffe auf humanitäre Einrichtungen und Lagerhäuser weiterhin die Fähigkeit der humanitären Organisationen, Hilfe sicher zu leisten.

Die humanitären Organisationen haben enorme Schwierigkeiten, die Not leidenden Menschen in den vom Konflikt betroffenen Gebieten in Khartum, Darfur und Kordofan zu erreichen, wo die Lage äußerst besorgniserregend ist. Seit Beginn des Konflikts wurden mindestens 15 Mitarbeiter von Hilfsorganisationen getötet, viele weitere wurden verletzt und einige werden noch immer vermisst. 

Weitere Informationen

Vollständiger Text: Erklärung des Sprechers des Generalsekretärs - zum Sudan, Büro des Sprechers des UN-Generalsekretärs, veröffentlicht am 8. Juli 2023 (in Englisch)
https://www.un.org/sg/en/content/sg/statement/2023-07-08/statement-attributable-the-spokesperson-for-the-secretary-general-%E2%80%93-sudan

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  • Sudan
  • Vertreibung
  • Unterfinanzierte Krise
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